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                     Die Venusdienerin

       Angela Dopfer-Werner erzählt den Weg der Märtyrerin Afra

       Von unserem Redaktionsmitglied Alois Knoller

    Ihren Dienst als Venuspriesterin vollzieht die junge Frau im alten  Rom zunächst mit heiligem Ernst und Idealismus. Dann merkt   Myrrha selbst, dass sie von ihrem geldgierigen Stiefvater durch die Prostitution ausgebeutet wird. Allmählich entdeckt sie ihre familiären Wurzeln auf Zypern wieder  und das junge Christentum, das in der heidnischen Welt eine eigenartige Anziehungskraft ausübt. Aus Myrrha wird die getaufte Afra, die 304 in Augsburg verbrannt wird.
    Angela Dopfer-Werner, im Hauptberuf eine erfolgreiche Geschäftsfrau in der Modebranche aus Peiting bei Schongau, hat einen historischen Roman geschrieben, der fernab einer heroischen Heiligenlegende ein packendes Frauenschicksal der römischen Antike schildert. Seine Stärke besteht in der minutiösen Recherche des antiken Alltagslebens, das die Autorin mit einer psychologisch differenzierten Personenregie und einem Schuss von Krimispannung verbindet.
       Myrrha trägt ein dunkles Geheimnis in sich: Ihre Mutter, die Aphrodite-Priesterin auf Zypern, fiel in ihrer Kindheit einem gewaltsamen Tod zum Opfer. Ihrem Andenken fühlt sich das Mädchen verpflichtet. "Ich genieße es, die jüngste und schönste, die erfolgreichste und kunstfertigste aller Liebesdienerinnen am Tiberis zu sein", verteidigt sie sich gegenüber ihrer kleinen Leibsklavin, die längst den Betrug durchschaut hat. Psecas Krümel heißt das Mädchen, das in den lärmenden, stinkenden Markthallen diente, bevor sie für das vornehme Haus eingekauft wurde. Von Psecas erfahren wir, dass im alten Rom unerwünschte Kinder einfach ausgesetzt und von geschäftstüchtigen Leuten als Sklavennachwuchs in Besitz genommen wurden. Von Myrrha dagegen wird der Leser in die vergnügungssüchtige Welt der Prachtbankette und der kaiserlichen Circenses eingeführt, wo an einem Nachmittag hunderte von Tieren und Menschen hingeschlachtet wurden. Heimlich läuft Arm und Reich in diesem Rom zu alten Seherinnen, die aus den Därmen eines weißen Huhns die Zukunft vorhersagen.
       "Ein Weg der Entscheidung" wird der frisch verliebten Myrrha angekündigt. Sie ahnt noch nicht, dass sie der Senatorensohn schnöde fallen lassen wird, dass sie über die Alpen fliehen muss und dass sie eine neue Religion kennen lernen wird, der sie sich schließlich in der Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum bis in den Tod hingibt. Angela Dopfer-Werner versteht es hervorragend, die inneren Kämpfe der jungen Frau anschaulich zu schildern, die den Namen einer mythologischen Königstochter trägt. Bei Ovid begehrt diese Myrrha den eigenen Vater und wird auf der Flucht vor dem Rasenden in einen Baum verwandelt.

       Angela Dopfer-Werner: "Myrrha", Herbig Verlag, 288 Seiten, 19,90 Euro.

Aus der Augsburger Allgemeinen vom 7.11.2003

 

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